Podiumsdiskussion

Bosnien 1992 – Ukraine 2022: Zivilgesellschaftliche Reaktionen auf den Krieg

© Nicolas Moll 2022

Das Datum der Veranstaltung (7. April) ist nicht zufällig gewählt: In Bosnien-Herzegowina (BiH) wird der Vortag, der 6. April, seit langem im Zusammenhang mit Krieg erinnert. Am 6. April 1941 griff die deutsche Wehrmacht die bosnische Hauptstadt Sarajevo an, die wiederum am 6. April 1945 nach vierjähriger Besatzung befreit wurde. Am Vorabend des 6. Aprils 1992 begann auch die Belagerung und die gezielte, über Jahre andauernde Zerstörung der Stadt mit zahlreichen Todesopfern. Erst mit dem Dayton-Abkommen 1995 ist es schließlich zum Abschluss eines Friedensabkommens gekommen, das sich jedoch fragil gestaltet: Bis heute trägt das Land nicht nur schwer an den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Folgen des Krieges, dessen Wunden durch die andauernde politische Fragmentierung nie ganz verheilen konnten. Besonders im Laufe des letzten Jahres (2021) haben sezessionistische serbische Eliten (wie auch kroatische Nationalisten) alles daran gesetzt, den gemeinsamen, multiethnischen Staat BiH zu sabotieren – mit dem Ziel, ihn aufzulösen; immer häufiger und deutlicher ist deshalb in den letzten Monaten von der Gefahr eines erneuten Kriegsausbruchs die Rede. Eine besonders wichtige Rolle in dieser Entwicklung spielt seit jeher Russland, das sich als Schutzmacht Serbiens und der serbischen Bevölkerung BiHs versteht. Das Putin-Regime hat sich wiederholt als enger Verbündeter für geschichtsrevisionistische, populistische Kräfte in Serbien und BiH hervorgetan und zuletzt sogar offen Drohungen an die Adresse westlicher Verbündeter des Gesamtstaates BiH ausgesprochen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der brutale, kriegerische Angriff des Putin-Regimes auf die Ukraine in BiH und in der weiteren Region für besonders große Beunruhigung gesorgt hat – bis hin zu Retraumatisierungen.

Moderation und Impulsvortrag

Dr. des. Thomas Schad, Historiker, Mitbegründer des Projekts Bosnien in Berlin

PanelistInnen

  • Dr. Susann Worschech, Sozialwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Ukraine an der Viadrina Universität Frankfurt (Oder)
  • Emina Haye, Dozentin am Lehrstuhl für Südslawistik der HU Berlin und Mitbegründerin des Blog- und Buchprojekts Bosnien in Berlin
  • Olga Pischel, Vorstandsmitglied der Stiftung Überbrücken
  • Hannes Mattenschlager, Mitglied und ehemaliger Stiftungsratsvorsitzender von Schüler*innen Helfen Leben (SHL) / engagiert sich zurzeit ehrenamtlich in der Koordination der Ukraine-Nothilfe von SHL

Anmeldung

Wir bitten um Anmeldung per E-Mail mit Angabe, ob Sie Live oder per Zoom teilnehmen möchten an: thomas.schad@balkanbiro.org oder hannah.marquardt@integrationsverein-impuls.de

Am 07.04.2022, 18:00 h

Ort: Gemeinschaftshaus am Bat-Yam-Platz / Online

Bosnien und HerzegowinaKonflikte und ihre Lösung